18. Oktober 2013

Stille


Hallo Ihr Lieben!
Na? Erinnert ihr euch noch an mich? Ja ich weiß, hier war es länger still... Zuletzt ging es bei mir im Blog noch um unseren bevorstehenden Umzug ins neue Domizil. Wir hatten endlich unser Traumhäuschen gefunden und wollten vor dem Sommer so richtig durchstarten. Ich hatte schon viele Ideen für zukünftige Posts, wollte so vieles berichten und zeigen.Doch leider kam kurz vor dem Umzug alles ganz anders als geplant...seit meinem letzten Post sind gut 4 Monate vergangen...


Meinem Mann ging es zu dieser Zeit schon länger etwas schlechter. Er hatte Probleme mit dem Magen und war ungewöhnlich blass. Klar, Stress auf der Arbeit unruhige Nächte mit dem Wintermädchen, der große Umzug...da wundert man sich nicht,dass der Magen verrückt spielt. Es folgte eine Magenspiegelung. Nur zur Sicherheit, zur Beruhigung. (Vielleicht ist es ja ein Magengeschwür?) Die Untersuchung blieb ohne deutliches Ergebnis. Der Magen war ok. Es folgte eine Darmspiegelung...auch nur zur Sicherheit...doch so sicher fühlten wir uns zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr.

Als ich meinen Mann nach der Untersuchung abholte, hatten wir zwei der drei Töchter mit im Auto...wir quatschten während der Autofahrt dummes Zeug, hörten Musik...so wie immer. Doch ich merkte schon,dass etwas in der Luft lag. Er war so ungewöhnlich still... 
Zu Hause angekommen, gingen wir beide in die Küche und dort erzählte er mir, dass er Darmkrebs hat...ich wollte ihm nicht glauben...

Zwei Tage später erhielt meine Mutter ihre Ergebnisse vom Gynäkologen. 
Auch sie hatte Krebs.

Wo war der Boden auf dem ich sonst so sicher stand? Und warum drehte sich diese verdammte Welt weiter? 
Sie sollte damit aufhören!!!

Während der Alltag mit Kindern, Arbeit, Haushalt und Umzugsvorbereitungen weiter ging, rückte der Operationtermin meines Mannes rasch näher. 10 Tage lag er im Krankenhaus und ich besuchte ihn fast jeden Tag. Als er stabiler war, gingen wir oft gemeinsam raus. Dort warteten dann bereits die Kinder auf ihn.
Zum Glück erholte er sich schnell von der OP. Der Tumor konnte komplett entfernt werden und der große Bauchschnitt verheilte relativ gut...was bleibt,ist eine lange Narbe.
Die Chemotherpie sollte pünktlich sechs Wochen nach der OP beginnen. Das war unser Zeitfenster für die Renovierungsarbeiten und den Umzug. 

Bei meiner Mutter wurde der Krebs zum Glück so rechtzeitig entdeckt,dass sie keine Chemo brauchte. Eine OP reichte. Die Reha liegt hinter ihr und sie kehrt Stück für Stück in ihr neues/altes Leben zurück. Bis es hier bei uns so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Die Therapie meines Mannes wird noch bis Dezember andauern.

Man macht einfach weiter...und weiter...und weiter. Angst und Sorgen waren zunächst Dinge, die einem in der Nacht begegneten, weil man sie nur dort zulassen konnte. Im Dunkeln konnte einen keiner sehen...keiner stellte Fragen oder fühlte sich von meinen Gefühlen verunsichert. Im Dunkeln konnte man den Tränen einfach ihren Lauf lassen. Während der schlimmsten Zeit fiel es mir sehr schwer darüber zu sprechen, ohne gleich weinen zu müssen. Also vermied ich es so gut ich konnte. Obwohl ich nicht selber diese Krankheit hatte, fühlte ich mich verwundbar, verletzt und schwach. Schritt für Schritt lernten wir mit dem Thema Krebs umzugehen.  Mit allem was dazu gehört. Der Krebs ist nun ein Teil unseres Lebens geworden...abschütteln werden wir ihn nicht mehr können. 

Doch es gab in den letzten Monaten auch schöne Dinge. Wundervolle Menschen,die uns kräftig unter die Arme gegriffen haben. Beim renovieren des Hauses, beim hüten des Wintermädchens, beim tragen der Kartons und Möbel...sie rissen alte schwere Wurzeln aus der Erde unseres neuen Gartens, damit ich ihn neu bepflanzen kann. Sie  verputzen Wände und ließen hässliche Löcher verschwinden, damit ich darauf neue Bilder malen kann. 

Nach und nach richteten wir uns hier im neuen Heim ein. Langsam, Stück für Stück. Doch eines ließen wir uns trotz der laufenden Chemotherapie und der vielen Arbeit nicht nehmen. Den herrlichen Sommer! Den genossen wir in vollen Zügen. Einfach das Hier und Jetzt erleben und auskosten. Normalität zurück in das Leben lassen. Wieder Freunde treffen und Spaß haben. 

Auf das Internet habe ich in dieser Zeit gepfiffen. Kein Blog,keine Facebookeinträge,keine Gruppen...nichts. Nur Wir.

Der Sommer liegt nun hinter uns und die Regentage des Herbstes laden wieder dazu ein, weiter unser neues Heim zu gestalten. Der Alltag kehrt zurück und die Nächte werden ruhiger. Mein Mann und ich sind dabei das Geschehene zu verarbeiten und fühlen uns allmählich wieder sicherer. 

Lange wusste ich nicht, wie es hier im Blog weiter gehen würde. Schließe ich ihn? Oder mache ich weiter wie bisher? Kann ich das überhaupt? Ich will nicht vorgeben, als wäre alles Friede,Freude,Eierkuchen. Hier im Blog geht es schließlich rund um das Leben. Und das Leben kann einen auch packen und kräftig durchrütteln. Ob man will oder nicht. Genau aus diesem Grund mache ich aus unserem erlebten kein Geheimnis und erzähle es hier...

Es ist wie es ist. Und wir, ihr lieben Leser, werden uns hier im Netz bestimmt wieder öfter begegnen, als es in den letzten Monaten der Fall war.



A smooth sea never made a skillfull sailor,

Line